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Gemeinsame Sorge getrennt lebender Eltern - Wechselmodell

Das Wechsel- oder Pendelmodell, bei dem das Kind in periodischen Abständen abwechselnd bei dem einen oder dem anderen Elternteil lebt, macht regelmäßig sehr umfangreiche Festlegungen notwendig. Hier muss ganz besonders darauf geachtet werden, dass die Vereinbarung die Bedürfnisse der Familienmitglieder und insbesondere die des Kindes im konkreten Fall berücksichtigt.
Das Wechselmodell ist nicht unumstritten, zumindest sollte man sich die potentiellen Vor- und Nachteile bewusst machen. Vgl. hierzu etwa die Ergebnisse der Arbeitsgruppe 3 des 16. Deutschen Familiengerichtstages 2005 (hier) sowie eine englische Studie, in der Kinder und Jugendliche zum Wechselmodell befragt wurden (hier).

Potentielle Vorteile der hälftigen Betreuung sind:

  • Das Kind kann Mutter und Vater weiter als vollwertige Elternteile erleben und hat zu beiden gleichermaßen Kontakt. Gerade bei Kindern unter 10 Jahren besteht hiernach ein erhebliches Bedürfnis.
  • Einige klassische Konfliktbereiche unter den Eltern können in der Intensität verringert werden. Es entfällt – jedenfalls in der Schärfe – die Unterteilung in Betreuungselternteil und „bloßen“ Zahl- und Umgangselternteil und die damit verbundene Aufteilung in „Alltagselternteil“ und „Freizeit- und Wochenendelternteil.“ Die damit möglicherweise einhergehende Konfliktverminderung kann entlastend für das Kind wirken. Insofern kann das Wechselmodell – auch bei zerstrittenen Eltern – die für das Kind beste (bzw. am wenigsten schädliche) Alternative sein.

Potentielle Nachteile sind:

  • Eine Zerrissenheit des Kindes zwischen den Haushalten, das Gefühl, kein richtiges „Zuhause“ zu haben, sondern nur „aus dem Koffer zu leben“. Hinzu kommt, dass das Bedürfnis des Kindes nach Flexibilität im Einzelfall oft der für die Durchführung des Wechselmodells notwendigen (oder als notwendig empfundenen) strengen Einhaltung der Betreuungszeiten untergeordnet wird.
  • Das Kind droht in besonderem Maße unter den fortdauernden Elternkonflikten zu leiden, wenn diese den erhöhten Anforderungen an die Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit nicht gewachsen sind. Dies wiegt insoweit schwer, als Untersuchungen zeigen, dass das Wechselmodell typischerweise von sehr harmonischen oder aber besonders zerstrittenen Eltern gewählt wird. Auch wird der Elternstreit im Falle eines Scheiterns der wechselnden Betreuung lediglich verschoben, so dass der belastende Zeitraum der akuten Trennungssituation für das Kind verlängert wird.
  • Das Kind könnte in unangemessenem Umfang in die Verantwortung für den Familienfrieden gedrängt werden, indem ihm das Gefühl gegeben wird, es dürfe sich über das „Hin-und-Her“ nicht beschweren. Die Folgen der Elterntrennung drohen so einseitig zu Lasten des Kindes geregelt zu werden.
  • Das Wechselmodell erfordert zwei „Haushalte“ für das Kind und bedeutet daher eine finanzielle Mehrbelastung für die Eltern in der ökonomisch ohnehin schwierigen Trennungssituation.

Um die Risiken möglichst gering zu halten, sollten daher folgende tatsächlichen Voraussetzungen gegeben sein:

  • Die Eltern müssen darüber einig sein, dass die Bedürfnisse des Kindes oberste Priorität haben. Neben den Eltern muss daher auch das Kind mit der Regelung einverstanden sein. Ihm muss von den Eltern das Gefühl gegeben werden, dass es Änderungswünsche äußern und sich (auch zu einem späteren Zeitpunkt) gegen die Fortführung des Wechselmodells aussprechen darf.
  • Die Wohnorte der Eltern sollten sich in unmittelbarer Nachbarschaft befinden, damit das Kind seine sozialen Kontakte (Freunde) aufrechterhalten kann, den gleichen Schulweg hat und zumindest diese Nachbarschaft als „Zuhause“ empfinden kann.
  • Die Eltern müssen auch in Alltagsfragen kommunizieren und Unterschiede im Betreuungs- und Erziehungsstil des anderen Elternteils zulassen können.
    Den Eltern muss bewusst sein, dass das gefundene Modell im Laufe der Zeit an geänderte Umstände angepasst werden muss bzw. die hälftige Betreuung möglicherweise nicht auf Dauer durchgehalten werden kann. Denn die wechselseitige Betreuung ist wegen seiner bis in kleinste Einzelheiten festgelegten Regelungen besonders anfällig gegen Änderungen, die aus der Sphäre der Eltern (Wechsel der Arbeitszeiten, neuer Partner etc.) oder des Kindes (insb. altersbedingte Entwicklung, dauernde Krankheit) stammen können.

Mustervereinbarung Wechselmodell bei kooperativen Eltern PDF Icon

Mustervereinbarung Wechselmodell bei wenig kooperativen Eltern PDF Icon

© Dr. Stephan Hammer, Berlin